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Liebe Leserinnen und Leser,

am Donnerstag wurde das lang ersehnte Gutachten der Erzdiözese München Freising vorgestellt. Darin wurde vor allem das Fehlverhalten der Verantwortungsträger seit 1945 zum Thema Missbrauch unter die Lupe genommen.

Erschreckend, wie die Kirche versucht hat, das Fehlverhalten so mancher Würdenträger unter den Teppich zu kehren. Verantwortliche haben derart versagt, dass es einen die Sprache verschlägt. Bis hinein in den Vatikan wurde die Verantwortung gegenüber Kinder unzureichend wahrgenommen und so konnte sich so mancher über Jahre hinter der Kirche verstecken, ohne groß belangt zu werden.

Auch ich bin fassungslos darüber, wie man bei den Stellungnahmen Einzelner versucht, sich herauszureden. Da wurde bei dieser nur über die Möglichkeit einer Unterkunft geredet. Da war man sich der Tragweite nicht bewusst und da versetzte man Seelsorger von Ort zu Ort, obwohl die Gefahr gesehen wurde, dass es zu Wiederholungen kommen kann.

 

Kirche auf dem Prüfstand

Für viele wird das Bild von Kirche und Glauben ganz schön auf den Prüfstand gestellt. Die Glaubwürdigkeit der Kirche ist an einem Tiefpunkt angelangt und man fragt sich:

Ist die Kirche noch zu retten? - Die Kirche ist so wie bisher nicht zu retten, das glaube ich. Wenn wir nicht auf die Kernbotschaft unseres Glaubens schauen, schafft sich Kirche selbst ab. Wie es nach den Enthüllungen innerhalb der Kirche weitergehen soll, dass kann ich Ihnen auch nicht sagen, wie einer der höchsten Vertreter der Kirche argumentiert, verstehe ich auch nicht. Es ist eine Katastrophe und es wird höchste Zeit, dass wir uns an den Kern des Problems heranmachen. Für mich jedenfalls ist es ein systembedingtes Versagen, das dazu führt, dass man sich viele Jahre weggeduckt hat. Obwohl man etwas weiß, redet man nicht offen darüber, sondern schweigt und versucht irgendwie das System Kirche zu retten. Dass man damit gar nichts rettet, ist seit Donnerstag klar.

 

Kirche muss transparent sein

Ich jedenfalls bin davon überzeugt. Es braucht gegenseitige Kontrolle. Es wird Zeit, dass Kirche und deren Verantwortliche transparent sind, denn ansonsten schaffen wir uns selber ab. Aus meiner Sicht sind wir heute wieder an einem Wendepunkt, ob Kirche noch gebraucht wird oder nicht.

 

Kirche anders denken!

Kirche anders zu denken zu wollen, dass war auch der Wunsch von Jesus. Das heißt aber auch, sich gegenseitig zu helfen, dass Strukturen vermieden werden müssen, die dem Leben widersprechen.

Es ist eine Katastrophe, was das Gutachten von München offenlegt. Und man kann sich natürlich fragen: Ist die Kirche noch zu retten? Sie ist es, wenn wir uns neu aufmachen, alle Strukturen, die der Kernbotschaft Gottes entgegenwirken, beiseite schieben und Kirche neu angehen - ansonsten braucht es uns nicht nicht mehr.

Alleine schafft das Kirche mit ihren Machtstrukturen sicher nicht. Ich wünsche mir eine Hilfe von Außen, vom Staat, aber auch von Betroffenen, die die Decke des Schweigens besser beiseite schieben wie wir selbst.

 

Dekan Gerhard Spöckl

 

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